Von Visionen, Zielen und Leitlinien

Seit Jahresbeginn ist Rainer Zimmermann alleiniger geschäftsführender Gesellschafter der AZO Gruppe. Den FN gab er Einblicke in das Familienunternehmen, sprach über Veränderungen und Zukunftsvisionen.


 
Von Redaktionsmitglied der Fränkischen Nachrichten
Melanie Müller
 
OSTERBURKEN. Nichts ist so beständig wie der Wandel – das trifft bei AZO zwar auf die immer neuen Erfindungen, Innovationen und Produkte zu, nicht aber auf das Führungsteam, das seit der Gründung aus Mitgliedern der Familie Zimmermann besteht.
 
Vertrauen, Bindung und Loyalität bieten dem Familienunternehmen enorme Wettbewerbsvorteile – wenn es gelingt, die Familie als Ressource im Dienste des Unternehmens zu nutzen. Im Zweifelsfall gilt in Familienunternehmen: „Das Unternehmen geht vor.“
 
Herr Zimmermann, worin sehen Sie die Vorteile eines Familienunternehmens?
Rainer Zimmermann: Durch flache Strukturen sind schnelle Entscheidungen möglich. Die Identifikation mit dem Unternehmen ist für die Belegschaft einfacher, wenn die Geschäftsführung zugleich Gesellschafter ist und aus Familienmitgliedern besteht.
Weil wir nicht mehr die Gründergeneration sind, brauchen wir trotz Familie eine Vision, Ziele und Leitlinien, in welchen wir uns bewegen. Dazu haben wir uns im Jahr 2015 neue Unternehmensleitlinien erstellt und veröffentlicht, und diese zusammen mit den Mitarbeitern unter dem Oberbegriff „AZO Kultur“ weiter spezifiziert.
 
Nachdem sich Ihr Bruder zum Jahresende in den Ruhestand verabschiedet hat, haben Sie die alleinige Führung des Unternehmens übernommen. Was wird sich ändern?
Zimmermann: Für unsere Mitarbeiter wird sich von der Organisation her nicht viel verändern. Neben der Übernahme der alleinigen Geschäftsführung von AZO durch meine Person wird es strukturelle Veränderungen im Führungskreis geben.
Davon abgesehen haben die Änderungen im Unternehmen in erster Linie das Ziel, AZO in ein integriertes mechatronisches Unternehmen zu wandeln. Dies wird zu Änderungen hinsichtlich der Arbeitsabläufe führen.
Auch unsere Kunden werden davon profitieren. Wir werden unsere heutigen effektiven Prozesse in unserer Gesamtwertschöpfungskette wesentlich effizienter gestalten, mit der Folge einer Reduzierung unserer Durchlaufzeiten und damit kürzeren Lieferzeiten.
Gleichzeitig wollen wir auch unsere Prozesskosten senken und damit zu günstigeren Herstellkosten und als Folge zu günstigeren Verkaufspreisen kommen.
 
Warum ist Ihre Nichte Denise nicht mehr in der Geschäftsführung?
Zimmermann: Sie möchte sich verändern und hat entschieden, eine Weiterbildung zu machen.
 
Was sind die Stärken der AZO Gruppe und Ihrer Mitarbeiter?
Zimmermann: Wir schaffen innovative, an den Bedürfnissen unserer Kunden ausgerichtete Automatisierungslösungen und Dienstleistungen. Die Stärke von AZO sind die Menschen, die das „WIR“ und unsere Werte leben. Gegenseitiges Vertrauen und das Wissen, dass man sich aufeinander verlassen kann, zeichnen AZO aus. Die Stärke von AZO sind die Mitarbeiter selbst. Sie sind Berater und Partner unserer Kunden.
 
Wie gehen Sie „die Zukunft“ an? Wo sehen Sie AZO in fünf Jahren?
Zimmermann: Wir sind auf dem Weg, für unsere Produkte einen modularen Standard zu schaffen, der es uns erlaubt, schneller am Markt zu sein und dennoch flexible, kundenspezifische und kostengünstige Lösungen zu schaffen.
 
In den kommenden fünf Jahren wollen wir weiter nachhaltig wachsen. Insbesondere unter Berücksichtigung der allgemeinen Preisentwicklung und Kostensteigerung durch Tariferhöhung müssen wir, hinsichtlich der Profitabilität unseres Unternehmens, kontinuierlich unsere Prozesse optimieren und effizienter werden.
 
Welchen Herausforderungen wird sich Ihr Unternehmen stellen müssen?
Zimmermann: Auch wir als klassischer Anlagenbauer werden von den Veränderungen, die aus den Megatrends Individualisierung, Digitalisierung und Globalisierung entstehen, beeinflusst. Nicht zuletzt sind diese Trends die Auslöser der erwähnten notwendigen Transformation von AZO in ein integriertes mechatronisches und digitales Unternehmen.
 
Welches Ziel wird aktuell verfolgt?
Zimmermann: Angetrieben von dem Engagement und dem Willen, AZO in eine erfolgreiche und sichere Zukunft zu führen, möchten wir Marktführer in verschiedenen Märkten und Regionen bleiben und diese Position weiter ausbauen.
Dazu müssen wir neue Produkte und Dienstleistungen erschaffen, die die Bedürfnisse unserer Kunden erfüllen. Unsere Kunden sind mit dem digitalen Wandel und den damit verbundenen Herausforderungen ebenso konfrontiert wie wir es sind. Wir müssen daher ein kompetenter, starker und zuverlässiger Partner für unsere Kunden sein.
 
Wie gehen Sie mit Trends und Innovationen um?
Zimmermann: In unserer schnelllebigen Zeit müssen wir mehr denn je das Ohr am Markt haben und sorgfältig abwägen, welche Strömungen wir aufnehmen und für unsere Kunden so umsetzen, dass ein Nutzen für sie entsteht. Mit unseren Schwesterfirmen und Vertretungen sind wir weltweit präsent, tauschen uns kontinuierlich auf Messen, in Fachgremien und direkt beim Kunden aus. Unsere flachen Hierarchien erlauben flexible Reaktionen auf diesen Input.

Quelle: Fränkische Nachrichten 19. Januar 2018

Rainer Zimmermann ist alleiniger geschäftsführender Gesellschafter der AZO Gruppe